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Was bedeutet „Entspannung“ wissenschaftlich?

Der Begriff „Entspannung“ beschreibt aus physiologischer Sicht einen Zustand reduzierter Aktivität in bestimmten neuronalen und muskulären Systemen, der mit einer Verschiebung hin zur parasympathischen Dominanz einhergeht. Es handelt sich um einen adaptiven Regulationszustand, nicht um eine Therapie oder Heilung.


Neurophysiologie #

  • Entspannung ist gekennzeichnet durch eine Reduktion sympathischer Aktivität und eine Zunahme parasympathischer Aktivität.
  • Dies führt zu:
    • Verringerter Herzfrequenz und Blutdruckregulation.
    • Veränderungen im zentralen Nervensystem, insbesondere Aktivierung präfrontaler und limbischer Strukturen, die Stressreaktionen hemmen.
  • Neurotransmitter wie Acetylcholin spielen eine Schlüsselrolle bei der parasympathischen Signalübertragung.

Muskeltonus #

  • Entspannung bedeutet eine Abnahme des Muskeltonus, insbesondere in der Skelettmuskulatur.
  • Dies wird durch:
    • Reduzierte Aktivität motorischer Neurone im Rückenmark.
    • Verstärkte inhibitorische Interneuronen-Aktivität erreicht.
  • Elektromyographische Messungen zeigen eine deutliche Reduktion der Muskelaktivität in entspannten Zuständen.

Autonome Regulation #

  • Entspannung ist eng mit der autonomen Regulation verbunden:
    • Parasympathische Dominanz: Aktivierung des Nervus vagus, Förderung von Verdauung, Regeneration und Energieeinsparung.
    • Sympathische Hemmung: Reduktion von Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol.
  • Messbare Parameter:
    • Herzfrequenzvariabilität (HRV) als Indikator für vagale Aktivität.
    • Reduzierte Hautleitfähigkeit als Zeichen verminderter Stressreaktion.

Quellen #

  1. Thayer & Lane (2000)A model of neurovisceral integration in emotion regulation and stress. Biological Psychology
    https://doi.org/10.1016/S0301-0511(99)00016-600016-6)
  2. Porges (2007)The polyvagal perspective. Biological Psychology
    https://doi.org/10.1016/j.biopsycho.2006.06.009
  3. Lehrer et al. (2020)Heart rate variability biofeedback: Mechanisms and clinical applications. Frontiers in Psychology
    https://doi.org/10.3389/fpsyg.2020.562334
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